Kolumne – Die Jurte

Über die Autorin: Herzmama Julia führt mit ihrem Mann Robert und ihren zwei Töchtern ein typisches Nomadenleben – ohne festen Wohnsitz. Dabei träumen sie davon, einen Platz zum Leben in einer Gemeinschaft zu finden. In ihrer Kolumne schreibt sie ab jetzt regelmäßig über ihr Leben – on the road und allem, was dazu gehört.

Die Jurte

Ich sitze am großen Holztisch, der in der Mitte des Raumes steht, und lasse meinen Blick schweifen. Über mir eine große Glaskuppel, durch die ein paar Sonnenstrahlen einfallen und mein Gesicht kitzeln. Um mich herum alles, was in eine Wohnung gehört. Bett, Kleiderschrank, Spielsachen, Schreibtisch, Küche. Nur, dass ich mich nicht in einer Wohnung befinde. Sondern in einer Jurte. Es gibt weder Ecken noch Kanten oder mehrere Räume. Hier ist alles rund. Alles begann im Jahr 2018 am Strand von einer kleinen Insel in Thailand, auf der wir jedes Jahr in den Wintermonaten wohnten. Dort lernten wir eine Familie aus Deutschland kennen und sie erzählten uns, wie sie lebten: In einer Jurte nämlich. Mit zwei Kindern. Wir waren begeistert. Von so einem einfachen, naturnahen Leben träumen wir schon seit unserer Weltreise. So richtig konnten wir uns aber auch nicht wirklich etwas darunter vorstellen.

Beispiel Dachkuppel in der Jurte. Quelle: pixabay.

Ein paar Monate später saßen wir in der besagten Jurte, die in einem kleinen Dorf in Bayern steht. Und waren sofort hellauf begeistert. So etwas wollten wir auch! Das Gefühl, wenn man drin steht, ist einfach unbeschreiblich. In der Jurte herrscht eine ganz andere Energie. Du hörst alles, was sich draußen abspielt. Den Regen, wie er auf die Plane prasselt. Der Wind, der um die Jurte pfeift. Eigentlich wie ein großes Zelt. Ich fühle mich frei und geerdet, jedesmal wenn ich sie betrete. Unsere Freunde haben sich die Jurte von einer tschechischen Jurtenbaufirma bauen und aufstellen lassen. Perfekt angepasst an deutsche Klimaverhältnisse. Es gibt Strom und fließend Wasser, geheizt wird mit dem Holzofen. Die “Wände” bestehen aus einfachen Scherengittern und Dämm-Material, darüber die wetterfeste Plane. Fenster gibt es nicht, dafür aber zwei Türen und die große Glaskuppel, die Licht herein lassen. Die Jurte steht auf einem Holzboden mit Stelzen. Das Badezimmer grenzt als kleiner Anbau direkt an die Jurte, hier gibt es eine Badewanne und sogar eine Waschmaschine. An Komfort mangelt es nicht. Es findet eben nur alles auf kleinstem Raum statt. Minimalismus pur. Die Jurte von unseren Freunden hat einen Durchmesser von 8 Metern, das enstpricht ca. 50qm. Hier leben 2 Erwachsene und 2 Kinder.

So könnte die Jurte von innen aussehen. Quelle: pixabay.

Alles spielt sich in einem Raum ab. Schlafen, Kochen, Spielen. Wie das gehen soll, fragt ihr euch? Sicher nicht für jeden die richtige Wohnform. Aber wir wollen es unbedingt ausprobieren. Fans vom minimalistischen Leben sind wir ja schon länger. Wie heißt es so schön: Weniger ist mehr. Das gilt auch fürs Wohnen. Und dass wir alle vier ständig zusammen sind, sind wir auch gewohnt. Wir können es jedenfalls kaum erwarten, auch endlich so zu wohnen. Als wir Ende 2019 eine selbstgebaute Jurte zum Verkauf auf ebay entdecken, zögern wir nicht lange und schlagen zu. Seitdem wartet sie darauf, von uns aufgebaut und bewohnt zu werden. Das Jurtenleben scheint übrigens immer beliebter zu werden. Einige Hotels und Ferienhaus-Vermietungen haben diese Wohnform schon für sich endtdeckt, genauso wie Yoga- oder Meditations-Anbieter. In der Schweiz gibt es sogar ein ganzes Jurtendorf. Gerade sind wir wieder bei unseren Freunden in Bayern zu Besuch und holen uns Inspiration. Wir sind gespannt, wann wir unsere Jurte aufbauen können.

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