Unsere Au-Pair Odyssee

Unsere Au-Pair Odyssee

Eine Odyssee ist sprichwörtlich ein langer Weg mit vielen Hindernissen und gleichzeitig einem Abenteuer gleichende Reise. In wieweit das auf die Suche nach unserem Au-Pair zutrifft, könnt ihr gleich hier nachlesen.

Da ich selbst sehr weltoffen und kontaktfreudig bin, mich sehr für andere Länder und deren Kulturen interessiere und beruflich wie privat  sehr viel in der Welt umher gereist bin, hatte ich schon länger mit dem Gedanken eines Au-Pairs gespielt. Zumal mein Mann beruflich bedingt öfter unterwegs ist und ich mit unseren zwei kleinen Kindern auf jeden Fall Unterstützung gebrauchen könnte. 

Als wir noch am Anfang unserer Suche standen, hatten wir noch eine Art Idealvorstellung oder Illusion eines nennen wir „perfekten“ Au-Pairs.

Das perfekte Au-Pair

Unsere Vorstellung war: Sie sollte am besten Anfang bis Mitte zwanzig sein, sehr kinderlieb, ehrlich, zuverlässig, einfühlsam, freundlich und loyal. Immerhin vertraut man dieser einen Person das Wichtigste überhaupt an – seine eigenen Kinder und lebt gemeinsam unter einem Dach. Von daher muss und sollte man dieser Person unbedingt vertrauen können. 

Wir hätten natürlich am liebsten ein Au-Pair in unserer Familie gehabt, die vorzugsweise aus meinen Lieblingsländern Australien, Neuseeland oder Kanada gekommen wäre. Wir wollten, dass das Au Pair als sogenannte native speaker (Muttersprachlerin) mit unseren Kindern natürlich auch in ihrer eigenen Muttersprache, also am liebsten in Englisch reden kann. Das hätte erfahrungsgemäß einfach vieles für alle Beteiligten im Alltag und natürlich auch im ganzen Zusammenleben einfacher gemacht. Immerhin hatte ich als Studentin selbst einige Zeit in einer WG in Sydney gelebt und habe als Backpacker auch viele Länder u.a. in Asien bereist. 

Die Au-Pair Suche

Bei der Suche nach dem geeigneten Au-Pair wurde uns von Tag zu Tag klarer, wie schwierig es tatsächlich ist das richtige Au-Pair für die eigene Familie zu finden. Wir landeten sprichwörtlich auf den Boden der Tatsachen. Die Anforderungen wurden von uns immer weiter herunter geschraubt. Die Suche nach einem Englisch sprechenden Au-Pair legten wir komplett auf Eis. Mein Mann und ich einigten uns darauf, dass das Au-Pair sich einigermaßen gut mit uns verständigen konnte – egal in welcher Sprache. Alles andere war utopisch, denn es gab keine Au-Pairs, die gut Deutsch oder Englisch sprechen konnten.

Wir haben zunächst voller Hoffnung und euphorisch mehrere bekannte Internetplattformen wie z.B. Aupair.com oder Aupairworld.com nach dem passenden Au-pair durchstöbert. Dabei haben wir uns zig Profile von Bewerberinnen angesehen und hatten gleichzeitig auch noch Kontakt zu einer erfahrenen Agentur, die Au-Pairs zu Familien nach Deutschland vermittelt. Glücklicherweise gab uns die sehr nette Dame zahlreiche Tipps und Hinweise, damit unsere Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit nicht gnadenlos ausgenutzt wurden. Wir haben mit unzähligen Mädels z.B. aus Peru, Venezuela, Brasilien, Nepal, Mongolei oder Kamerun gesprochen und auch Videocalls gehabt. 

Doch bei den meisten Mädchen war uns ganz schnell klar, dass ihre gelernten Sprachkenntnisse (z.B. im Goethe-Institut) in der Realität extrem schlecht waren. Da nutzte weder ein bestandenes A1 noch A2 Zertifikat irgendetwas. Wenn man sich mit dem Mädchen kaum oder gar nicht weder auf Englisch noch Deutsch verständigen konnte. Und ein freundliches Grinsen nützt dann auch nichts, wenn man am anderen Ende des Telefons das Gefühl hatte, dass nicht einmal die einfachste Frage zur Person verstanden wurde. 

Was soll ich sagen? Ich hatte mir die Suche nach unserem Au-Pair, die bereits im Sommer startete, definitiv leichter vorgestellt. Bis heute bin ich immer wieder erstaunt, traurig und auch entsetzt darüber, was man heutzutage als Gastfamilie alles so erlebt.

Welcome to our home Au-Pair
herzmamas | Welcome to our home Au-Pair

Unsere persönliche Au-Pair Erfahrung

Letzten Endes drängte dann doch immer mehr die Zeit (ab Oktober sollte es losgehen) und nach monatelanger Suche entschieden wir uns Ende August kurzerhand und relativ spontan für ein 19-jähriges Au-Pair aus der Ukraine. Damit das Visum noch relativ schnell beantragt werden konnte. Und die Realität?

Irina (Name geändert) – unser erstes Au-Pair kam Ende Oktober zu uns. Sie wäre angeblich mega kinderlieb, hätte viele Erfahrungen mit Kindern und wäre laut eigener Aussage ansonsten auch sehr fleißig und ordentlich. 

Irina hatte keine Geschwister, lebte bis zu ihrer Ankunft in Deutschland in der Wohnung ihren Eltern, hatte als dortige „Prinzessin“ natürlich Null Erfahrungen im Haushalt und konnte schlussendlich weder kochen, den Toaster oder Geschirrspüler betätigen. Und das Schlimmste, sie hatte Null Bezug zu unseren Kindern, weil ihr jegliches Einfühlungsvermögen fehlte und sie keinerlei Interesse an Kindern hatte. Man musste ihr alles mehrfach sagen, weil sie nichts im Haushalt von alleine sah. Sie war für mich wie das dritte Kind (mit 19) und war sich dessen auch noch bewusst und fand es nicht mal schlimm.

Sie entschuldigte sich einfach nur mit einem: „Ich weiß Frances, ich bin dein drittes Kind, aber ich kann nichts für, ich wurde so erzogen…“ damit war es für sie auch schon erledigt. Sie saß viel lieber wie ein verzogener Teenie teilnahmslos am Esstisch, tippte stundenlang stupide auf ihrem Handy herum und beschwerte sich dann aber gleichzeitig bei mir, dass doch alles so wahnsinnig anstrengend sei, wie ich das nur mit zwei Kindern alles schaffen würde und sie doch immer so müde wäre.

Den Saugroboter von A nach B tragen oder den Tisch decken bzw. abräumen ist also schon anstrengend und ein Knochenjob? Seit wann? Wohlgemerkt hatte sie laut Vertrag nur 30 Stunden Arbeit in der Woche, der Rest war komplett Freizeit. Das waren lediglich sechs Stunden pro Tag (fünf Tage die Woche) die sie uns theoretisch zur Verfügung stand. Neben ihrer ganz normalen täglichen Freizeit hatte sie also auch noch locker acht bis neun (!) Stunden Schlaf pro Nacht. Im Vergleich dazu hatte ich als Mama zu der Zeit nur drei Stunden Schlaf pro Nacht und gar keine Freizeit wegen zwei kranken Kindern. Also Unterstützung sieht für mich anders aus.

Ihr Fazit war dann, dass sie einfach noch mehr Freizeit braucht. Doch wofür? Um noch mehr Zeit ganz alleine in ihrem Zimmer zu verbringen? Anstatt sich in unsere Familie zu integrieren und vor allem um endlich mal Deutsch zu lernen? 

Gemeinsame Ausflüge, die Anmeldung beim Sprachkurs vor Ort, zusammen kochen oder ihr kleine Aufmerksamkeiten mitbringen, wie z.B. ihren Lieblingskäse oder andere Leckereien führten auch nur zu einem kurzzeitigen Erfolg. Doch leider war alles nur einseitig!

Wir bemühten uns ohne Ende und das Ende vom Lied? Nach gerade einmal 16 (!) Tagen schmiss sie die Flinte ins Korn von einem Tag auf den nächsten. Warum? Wegen völliger Überforderung. Sie haute mit Sack und Pack ab und fuhr mit dem Zug zu Verwandten nach Hessen. Ohne ein Lebewohl zu mir, meinem Mann oder den Kindern zu sagen.

Nach einer Woche bekam ich übrigens eine WhatsApp-Nachricht von einer anderen Gastmutter, wo Irina nur einen Tag gewesen sei und auch dort wieder abgehauen ist. Vermutlich war es da noch stressiger. Schlussendlich hat sie uns offenbar nur benutzt, um ihr sechsmonatiges Visum für Deutschland zu bekommen und danach abzuhauen. Und es gibt immer mehr solcher Mädchen, die so dreist und unverschämt sind. 

Unsere virtuelle Au-Pair Erfahrung

Nach mehreren Wochen fragte mich dann eine gute Bekannte, die selbst vierfache Mutter ist und drei Au-Pairs in ihrer Familie hatte, ob ich doch nicht noch einmal einen Versuch starten möchte. Es wäre damals, vor zig Jahren so ein tolles Erlebnis für Sie und die Kinder gewesen. Gesagt, getan.

Denn eigentlich hatte ich das Thema Au-Pair für mich noch nicht endgültig abgehakt. Ich wollte es keinesfalls bei dieser einen negativen Erfahrung belassen. Im Grunde war ich immer noch motiviert und fest davon überzeugt, dass es einfach nur ein einziger Fehlgriff war und wir einfach Pech mit Irina hatten. 

Also entschied ich mich wieder ein Au-Pair über eine Online-Plattform zu suchen und plötzlich meldete sich ein 24-jähriges Mädchen namens Britney (Name geändert) aus England bei mir.

Britney war angeblich sehr kinderlieb, hatte in ihrem Profil sehr viele Bilder zusammen mit Kindern, konnte mehrere Erfahrungen vorweisen, hatte ein Erste Hilfe Zertifikat usw. Alles klang auf den ersten Blick super und war für Außenstehende absolut überzeugend. Für mich klang es aber schon zu perfekt und ich wurde plötzlich extrem skeptisch.

Sie schrieb mir immer nur via Email und ich wollte daraufhin unbedingt einen Videocall Termin mit ihr ausmachen, um sie live zu sehen, mit ihr zu sprechen und um sie besser kennenzulernen.

Doch daraus wurde nichts. Erst hieß es, dass sie kein Handy hätte, dann das ihre jetzige Gastfamilie in Kamerun kein Social Network möge und demzufolge konnte sie angeblich auch nur bei Skype schreiben und mir keine Voicemails aufnehmen oder schicken. Doch das war noch nicht das Highlight – im negativen Sinne.

All das wurde noch getoppt, als sie mir schrieb, dass angeblich eine Travel Agency in Kamerun einen Flug für sie reserviert hätte, um nach Frankfurt zu kommen. Wir hatten bis dato aber weder über ein konkretes Datum, geschweige denn über Flüge gesprochen. Die Überrumpelstaktik funktioniert bei mir sowieso nicht. Ich bekam kurze Zeit später sogar eine angebliche Email von dieser Agentur mit einem Reservierungscode des Fluges UND der Bitte einen dreistelligen Betrag in Euro via Western Union zu bezahlen. Angeblich hätte das Au Pair kein Geld mehr um nach Deutschland zu kommen. 

Ich frage mich wirklich, wie verrückt, wie naiv oder wie verzweifelt muss man bitte sein, um einer wildfremden Person mit der man nicht einmal persönlich gesprochen oder sie nie live gesehen hat, Geld zu schicken? Die ganze Story von dieser angeblichen Britin war so derart absurd und irreal. Im Moment bin ich einfach nur total geschockt, was es für Leute gibt, die sich als angebliches Au-Pair ausgeben und bei Familien vorstellen. Und was für absurde Lügen sie sich einfallen lassen, nur um nach Deutschland zu kommen und dann sowieso gleich wieder abhauen… 

Fazit: Betrüger gibt es leider überall – auch bei Au-Pairs 

Das ist im Übrigen alles eine bewiesene Betrügermasche. Solche Leute sollten und müssen unbedingt bei den jeweiligen Plattformen direkt gemeldet werden. Um einerseits ihre Machenschaften zu unterbinden und um andere Familien zu schützen. Denn das was wir da als Gastfamilie erlebt haben ist absolut keine Seltenheit, sondern mittlerweile die knallharte Realität. Es wird leider nur viel zu selten darüber gesprochen, wie es wirklich läuft. 

Ich hoffe sehr, dass ich mit diesem sehr persönlichen Blogbeitrag einigen anderen Gastfamilien Mut machen und gleichzeitig auch die Augen öffnen konnte und vielleicht auch helfen kann, sie vor solchen dubiosen Leuten zu warnen.

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