Auf der Suche

Über die Autorin:
Herzmama Julia führt mit ihrem Mann Robert und ihren zwei Töchtern ein typisches Nomadenleben – ohne festen Wohnsitz. Dabei träumen sie davon, einen Platz zum Leben in einer Gemeinschaft zu finden. In ihrer Kolumne schreibt sie ab jetzt regelmäßig über ihr Leben – on the road und allem, was dazu gehört.

Auf der Suche

Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten fünf (obwohl, genau genommen sind es acht) Jahren gepackt habe. So oft, dass es mein Denken übersteigt.

Früher war das ja noch irgendwie cool, alle paar Tage oder Wochen ein neuer Ort, wie ein großes Abenteuer. Da tingelten Robert und ich noch zu zweit unbeschwert durch die Länder dieser Welt.

Aber jetzt, mit zwei Kindern? Es nervt mich einfach nur noch. Und dabei haben wir schon wenig Dinge, verglichen mit der „Standard Familie“. Dagegen sind wir Minimalisten. 1 Koffer für meine Kleidung, ein Trolley für unsere zwei Mädchen, 1 Kiste für Robert. Trotzdem komme ich mir vor wie eine türkische Großfamilie, die zum Picknicken fährt, als Robert an diesem kalten Wintermorgen unser Hab und Gut routiniert in den Wohnwagen lädt. Es ist immer das Gleiche, immer die gleichen Schritte, und jedesmal nervt es mich doch. Kleidung raussuchen, Spielzeuge sortieren, Essensvorräte einpacken. Bett im Wohnwagen beziehen. Putzen. Alles einladen.

Mit zwei Kindern hat sich eben nicht nur unser Gepäck verdoppelt. Das Gute daran: Wir wissen, was wir unterwegs brauchen, was wichtig ist und was nicht. Und wir lernen jedes mal dazu, immer noch. Gitarre und Ukulele kommen auf jeden Fall mit. Das kleine Kaspertheater und die 5. Puppe bleiben zuhause, aber die Kiste mit den Duplo Bausteinen und Bauklötze müssen unbedingt mit. Alles, was wir jetzt nicht benötigen, lagert in zwei Zimmern im Haus meiner Großeltern.

Tonie Box und TipToi Bücher werden gekonnt neben die Kindersitze positioniert, und Schokolade und Snacks liegen griffbereit im Handschuhfach, für den Fall eines Wutanfalls während der Fahrt. (Nicht, dass wir unsere Kinder bei jedem Wutanfall mit Schokolade beruhigen, aber ihr versteht schon: Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen).

Und so fahren wir los. Zum drölfzigsten Mal. Mit Auto und Wohnwagen und Fahrrädern auf dem Dach und Schlitten im Kofferraum und Sack und Pack. Es regnet in Strömen und ich beobachte melancholisch die Regentropfen, die an der Fensterscheibe um die Wette fließen. Dabei kommt mir das Lied „Junimond“ von Echt in den Kopf. Leute in unserem Alter (Mitte-Ende 30) werden es noch kennen. Die Szene aus dem Film „Crazy“, wo der Hauptdarsteller auf dem Beifahrersitz beim Autofahren melancholisch nach draußen schaut und in eine ungewisse Zukunft fährt. Genauso fühle ich mich jetzt. Wir wissen auch nicht, was uns erwartet.

Wir sind auf der Suche. Auf der Suche nach einem Platz zum Leben. Einen Platz, wo wir unsere Jurte aufbauen können. Einen Platz in Gemeinschaft mit gleichgesinnten Familien. Einen Platz in der Natur. Wo wir unsere Lebensmittel selbst anbauen. Wo wir einfach und frei leben können.

Vielleicht sollte ich besser sagen: Wir FINDEN einen Platz zum Leben. Positives Mindset und so. Ich will endlich mal irgendwo ankommen. Und bleiben.

Die letzten Jahre waren aufregend genug. Ein Hof in Österreich, eine Insel in Thailand, eine Kleinstadt in Bayern, die kanarische Insel La Palma und ein Dorf im Wendland…nichts hat bis jetzt so richtig gepasst. Zumindest nicht für länger, so dass wir unsere Jurte aufbauen würden. Gewohnt haben wir immer entweder im Wohnwagen, in Mietswohnungen oder in Ferienunterkünften.

Jetzt ziehen wir in der Zwischenzeit mit unserer befreundeten Familie in ein kleines Haus, das wir zusammen für mehrere Wochen gemietet haben. Von dort aus finden wir weiter. Ein paar Orte haben wir schon angeschaut, die sich auf unsere Anzeige im Internet gemeldet hatten. Ob bald unser Platz dabei ist?

Unbeschwertes Lachen reißt mich aus meinem Gedankenkarussel. Naja, wenigstens die Kinder haben gute Laune, denke ich. „Mama, es ist so toll wieder mit euch unterwegs zu sein“, sagt meine 5jährige. „Ich liebe das Reisen mit euch. Das ist so cool. Alle paar Wochen ein neuer Ort, wie ein großes Abenteuer!“

Eigentlich hat sie ja Recht. „Unser Leben ist das Abenteuer. Und der Weg ist das Ziel“, denke ich glücklich und lehne mich zurück.

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